c't 06/98, S. 88

Volker Weber

"OS/2-Kunden haben richtig investiert"

Ein Interview mit Richard Seibt, General Manager der IBM OS/2 Business Unit

Ende 1994 warb die IBM in Deutschland mit einer breit angelegten Kampagne um neue OS/2-Benutzer. Vobis und Escom lieferten PCs mit diesem Betriebssystem aus. Verantwortlich für die Kampagne war Richard Seibt, der mittlerweile weltweiter Chef der gesamten OS/2 Business Unit von IBM ist. c't sprach Ende Februar mit ihm in Somers, New York, über die Frage: `Wie geht es weiter mit OS/2?´

c't: Herr Seibt, bislang waren Sie als Vice President in Nordamerika für die Bereiche Marketing und Sales der IBM Software verantwortlich, nun sind Sie General Manager der OS/2 Business Unit. Betrachten Sie das als eine Beförderung?

Seibt: Ja, selbstverständlich begreife ich das als eine Beförderung. Ich messe das vor allen Dingen daran, was man in so einer Position bewegen kann. Nun habe ich die Verantwortung für das gesamte OS/2-Geschäft, angefangen vom Development bis zu Marketing und Sales.

c't: Sie sind also auch für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Business Unit verantwortlich. Seibt: Ja. Wichtig zu verstehen ist aber, daß die OS/2 Business Unit nicht mehr wie in der Vergangenheit eine eigene Division mit eigener Profit/Loss-Verantwortung ist, sondern vielmehr neben der Java und der eNetwork Business Unit ein Bestandteil der Network Computing Software Division ist. Diese Division steht unter der Leitung von Mike Lawrie, der wie die Chefs der anderen drei Divisionen (Tivoli, Lotus, Software Solutions) an John M. Thompson berichtet.

c't: Nun setzen Sie im OS/2-Bereich ja zunehmend auf Java. Wo gibt es denn da Überschneidungen zur Java Business Unit?

Seibt: Es gibt dort eigentlich keine Überschneidungen, sondern wir ergänzen uns perfekt. Wir haben die technische Verantwortung für OS/2. Die Java Unit bekommt beispielsweise von Sun die neue Java Virtual Machine 1.2 und paßt sie so an, daß wir sie in OS/2 und andere dann etwa in OS/400 oder OS/390 integrieren können.

c't: Wenn Sie jetzt für die OS/2 Unit verantwortlich sind, wo können Sie heute Geld verdienen? Seibt: Wir liefern unseren mittleren und großen Kunden einen Nutzen und verdienen dadurch Geld, was uns zusteht ...

c't: Die Frage bezog sich eher auf die Produkte, mit denen Sie Geld verdienen.

Seibt: Wir verkaufen Workspace on Demand, den OS/2 Warp 4 Client und OS/2 Warp Server. Damit ist Geld zu verdienen.

c't: Sie haben bis vor einigen Jahren noch regelmäßig veröffentlicht, wie viele Millionen Lizenzen Sie verkauft haben. Daß Sie damit aufgehört haben, wird als Zeichen gewertet, daß es um die Verkäufe nicht mehr so gut steht.

Seibt: Diese Zahlen werden vor allen Dingen im Consumer-Bereich veröffentlicht. Nun ist unsere Zielgruppe, wie Sie wissen, auf unsere Großkunden orientiert, und dort sind diese Zahlen nicht von so entscheidender Bedeutung. Letztes Jahr konnten wir in der Finanzindustrie unseren Marktanteil auf der Serverebene von 36 auf 42 % erhöhen, beim Client von 25 auf 33 %.

c't: Vielen OS/2-Anwendern ist unklar, wie Sie Ihre Produkte weiterentwickeln. Welche Neuerungen kann man erwarten?

Seibt: Lassen Sie mich mit dem Warp Server beginnen. Wir werden Anfang 1999 eine neue Version herausbringen. Das Hauptaugenmerk dabei ist eine weitere Erhöhung der Performance. Das gesamte I/O-System wird 32 Bit sein, dazu kommt ein neues Dateisystem ...

c't: Sprechen Sie von JFS (Anm. d. Red.: Journal File System)?

Seibt: Genau. Wir werden außerdem alle Versionen zusammenführen. Derzeit unterscheiden wir ja noch Entry und Advanced Server sowie die SMP-Version. In der nächsten Release werden diese ganzen Funktionen allen Kunden zugute kommen.

c't: Was steht bei den Systemmanagement-Funktionen ins Haus?

Seibt: Es wird ein TME10-Framework und die passende Client-Funktionalität geben. Der Warp-Server soll als Managementplattform für alle Arten von Clients dienen. Das fängt an bei Embedded Systems, geht über Handhelds, Network Stations, Windows- und NT-Systeme bis zu Macs und natürlich OS/2 Warp Clients.

c't: Zur Herbst-Comdex gab es Gerüchte in einem deutschen Computer-Magazin, Sie wollten vielleicht den Namen OS/2 aufgeben. Bei Workspace on Demand ist er ja auch schon nicht mehr vorhanden. Was ist an diesen Gerüchten dran?

Seibt: Nichts. Wir haben zwei Marken oder Brands, wie man im Englischen sagt, die wir gemeinsam oder getrennt erfolgreich verwenden: OS/2 und Warp. Ich kann mir vorstellen, daß es beim Server irgendwelche Zusätze geben wird, wie etwa eBusiness, aber wir haben zu Namen noch keine Entscheidungen getroffen. Dazu besteht auch noch gar kein Anlaß.

c't: Wie sieht es denn beim OS/2 Client aus?

Seibt: Unsere Kunden haben Software Choice (Anm. d. Red.: ein Subskriptionsmodell, bei dem man für einen Zeitraum von 2 Jahren alle Software-Updates abonniert) hervorragend akzeptiert. Wir werden deshalb ständig neue Dinge herausbringen, die der Kunde dann über Software Choice abrufen kann. Wir haben jetzt gerade Java 1.1.4 gebracht, das sich mit hervorragender Performance auch mit Netscape Navigator 2.02 einsetzen läßt. Unsere Kunden haben auf eine Java VM mit hoher Performance viel größeren Wert gelegt als auf einen neuen Browser, und wir haben unsere Prioritäten entsprechend gesetzt. Wir werden eine weitere Version 1.1.6 dieses Jahr bringen, und wir werden Anfang nächsten Jahres - vielleicht kriegen wir das auch noch dieses Jahr hin - die Version 1.2 vorstellen. Fazit: Wir haben heute die schnellste Java VM im Intel-Markt.

c't: Hier muß ich noch einmal nachhaken. Wir sprachen im Oktober mit John M. Thompson [1]. Dieser bekräftigte sehr deutlich, daß es in diesem Jahr eine neue OS/2-Release geben werde. So wie ich das Software-Choice-Modell verstehe, wird es nicht so etwas wie ein Warp 5 geben, sondern Sie liefern einfache Updates, die in das bestehende Produkt einfließen.

Seibt: Es gibt kein Warp 5 oder Warp 6, sondern es gibt permanent neue Produkte innerhalb von Warp 4. Ich würde das sehr wohl, und ich möchte das deutlich sagen, als eine neue Version für den Client betrachten. Ich glaube, man muß Abstand nehmen von dem, was andere Hersteller im Softwaremarkt machen, die permanent alle halbe Jahre oder jedes Jahr eine völlig neue Version bringen, die dann mit hohen Kosten und nicht immer mit der Leistung verbunden ist, die der Kunde eigentlich erwartet. Wir glauben, man muß dem Kunden die Wahl lassen, was er aus dem Angebot haben will. Da kommt eine ganze Menge, etwa der LDAP-Client und vor allen Dingen der Communicator 4 am Ende des dritten Quartals. Ich denke, daß wir damit beweisen, daß der Client für uns immer noch sehr wichtig ist.

c't: Auf der Lotusphere gab es einigen Aufruhr bezüglich des nur auf Windows und Mac beschränkten Notes-5-Client. Eine OS/2-Version wird es nicht geben. Lotus schien sich jedoch sehr sicher, mit Ihrer Strategie einig zu sein, alles auf Browser und Java zu setzen. Wie sehen Sie das?

Seibt: Ich bin ebenfalls der Ansicht, daß IBM und Lotus hier auf einer Linie sind. Der Desktop der Zukunft wird nicht nur ein PC sein. Wenn man das einmal gegenüberstellt, auf der einen Seite einen Browser-basierten Client und einen Fat Client, wie wir ihn heute haben, dann ist es richtig, daß sich die IBM und auch Lotus auf diesen Browser-basierten Client konzentrieren. Und wir werden das von der Network Computing Software Division entsprechend unterstützen. Hier haben Sie das am schnellsten wachsende Marktsegment. Der Fat Client ist eigentlich das kleinste Marktsegment.

c't: Im Augenblick ist der Fat Client wohl kaum das kleinste Marktsegment. Ganz im Gegenteil beherrscht doch Microsoft mit diesem Modell den Desktop.

Seibt: Nein, derzeit nicht. Aber als Unternehmen muß man mittelfristig und auch langfristig denken, um eine Strategie auszurichten und entsprechend daran Produkte zu liefern. Diese Produkte benötigen eben ihre Entwicklungszeit. Der Browser-Client hat einen Universal Access, wie wir sagen. Sie können damit von überall auf den Server zugreifen. Beim Fat Client haben Sie einen großen Aufwand, den erst mal zu implementieren und zu managen.

c't: Sie machen da aber einen großen Spagat. Auf der einen Seite haben Sie ja selbst einen Fat Client, den Sie per Software Choice auch weiter ausbauen wollen, auf der anderen Seite sprechen Sie sich dann deutlich für den Browser-Client aus.

Seibt: Wir werden ihn ergänzen. Die Strategie in der OS/2 Business Unit und der gesamten Network Computing Software Division ist es, ein 100 % pures Java Applications Model zu erreichen, das Browser-basiert ist. Das geht so weit, daß wir ein Java OS für ganz bestimmte Marktsegmente, etwa die Network Station, zu entwickeln planen.

Die Investments unserer Kunden konzentrieren sich auf den Server. Von diesem Server aus lassen sich Clients viel leichter managen als umgekehrt. Sie werden viel mehr als bisher von Browsern aus auf die Ressourcen des Servers zugreifen, und sie werden diese Browser und die gesamte Software vom Server aus managen. Das ist viel leichter und kostenbewußter zu handhaben. Deshalb müssen wir einen optimalen Browser-basierten Zugriff ermöglichen.

Auf der anderen Seite ist es nicht so, daß wir das Fat-Client-Segment von heute auf morgen aufgeben wollen. Es gibt Kunden, die sich für dieses Modell entschieden haben - man könnte auch sagen, es sich leisten können -, und die werden wir auch weiterhin mit entsprechenden Versionen bedienen.

c't: Wie würde das bei Notes aussehen?

Seibt: Im Windows-Bereich wäre das derzeit Notes 4.6 und dann Release 5, im OS/2-Bereich 4.5. Lassen Sie mich ganz deutlich sagen: Auch dieser Client wird den Anforderungen unserer größten Kunden entsprechend weiterentwickelt werden. Schließlich haben sich die meisten Finanzdienstleister in Deutschland für Domino und Notes auf Basis von OS/2 Warp entschieden, darunter sind, nach der IBM selbst, die größten Notes-Kunden weltweit (Anm. d. Red: etwa die Deutsche Bank).

c't: Sie haben bisher sehr stark den Warp Server betont. Der hat aber in letzter Zeit wenig Aufmerksamkeit genossen. Gerade erst hat IBM drei neue NT Software Suites angekündigt und zählt mehr als 100 Softwarepakete und mehr als zehn Back-Office-Zertifizierungen. Wie konkurrieren Sie denn da im eigenen Hause?

Seibt: Der Warp Server ist unser Einstiegsserver und konkurriert in ganz bestimmten Marktsegmenten mit Windows NT. NT muß im Vergleich mit IBM ein wesentlich weiteres Marktsegment abdecken, wo wir Unix-Server haben, wo wir S/390-Server haben und wo wir AS/400-Server haben. Deshalb macht es keinen Sinn, daß wir OS/2 so positionieren, daß wir sagen, OS/2 konkurriert mit NT im gesamten Umfeld. OS/2 ist, was den Server angeht, ein Einstiegsserver und wird ein Einstiegsserver bleiben - mit höchster Leistungsfähigkeit bis hin zu symmetrischem Multiprocessing.

c't: Wie sieht die IBM dann den NT Server, wenn der OS/2 Server ein Einstiegsserver ist?

Seibt: IBM ist die Firma mit der längsten und umfassendsten Erfahrung, was Betriebssystementwicklung angeht. Man kann mit einem Betriebssystem nicht alle Anforderungen aller Marktsegmente abdecken. Das ist und bleibt der limitierende Faktor von NT. Der NT Server ist ein proprietäres Modell, eben ein Windows-Modell. Es gibt Kunden, die sich für dieses Modell entscheiden, aus guten Gründen oder aus Gründen, die wir nicht für richtig halten, aber die Kunden entscheiden sich dafür. Sie brauchen dafür unsere Middleware, sie brauchen einen sicheren Zugriff, sie brauchen Transaktionen, sie brauchen ein ausgereiftes Daten- und Systemmanagement. Deshalb ist für uns NT eine Betriebssystemplattform wie andere auch, und wir decken in diesem Bereich die Anforderungen unserer Kunden bestens ab.

c't: Viele Beobachter wundert, daß die IBM einerseits NT in jeder Hinsicht unterstützt, OS/2 jedoch zunehmend nur in einer Richtung, nämlich als Java-Plattform.

Seibt: Der Unterschied zwischen Windows NT und unserem Network-Computing-Ansatz ist ein ganz fundamentaler. Er ist nicht mehr `me too´. Deshalb ist dies sicherlich ein falscher Eindruck. Wir forcieren ein generelles Servermodell auch unter dem Gesichtspunkt, daß wir Clients jeglicher Art kostengünstig managen wollen. OS/2 und Workspace on Demand werden sich nicht nur hinsichtlich der unterstützten Clients entwickeln. Sie können diese Technologie umdrehen und auch auf anderen Servern zur Verfügung stellen, etwa auf einer AS/400, im S/390- oder im NT-Bereich, weil das der Kunde von uns fordert. Der Kunde sieht die Kosten, die das Windows-Modell ihm verursacht. Jede Änderung ist kaum noch zu managen, und ich bin dann gezwungen, ein aufwendiges Managementmodell zu installieren, das dann wiederum auch wieder viel Geld kostet. Java spielt bei all diesen Bemühungen eine entscheidende Rolle: Es ist serverorientiert, und einmal geschriebene Servlets laufen auf jeder Plattform.

Wir gehen einen anderen Weg. Wir wollen mit der Technologie Workspace on Demand den Kunden die Möglichkeit geben, jegliche Clients sehr kostengünstig zu managen und auch jegliche Erweiterungen kostengünstig durchzuführen. Das ist der Gegensatz zu NT. NT kann nur Fat Clients, nur Windows-Clients managen. Das ist ein proprietäres, schlecht zu managendes und kostenintensives Modell, und im Vergleich zu Java ist es ein Auslaufmodell.

c't: `Proprietär´ ist eine häßliche Vokabel, die jeder gerne dem anderen anhängt. Microsoft würde argumentieren, daß Windows der Standard ist, weil alle Windows benutzen.

Seibt: Alle benutzen eben nicht Windows. Wenn Sie sich ansehen, wie schnell Java wächst, und das vergleichen mit Windows, dann ist die Entwicklung von Java viel, viel schneller als zu der Zeit, wo Windows in den Markt einbrach. Sie finden mehr Programmierer unter Java als damals unter Windows, Sie finden mehr Bücher, Sie finden mehr existierende Beispiele bereits, wo große Unternehmen und Softwarehäuser auf Java-Technologien setzen. Nehmen Sie als Beispiel SAP mit ihrem Java-Client, die ebenfalls den offenen Weg gehen wollen. Oder wenn Sie die Rechenzentrale der Bayerischen Genossenschaftsbanken sehen, mit der wir im Bereich von Java zusammenarbeiten, dann sind wir dort auf dem Weg, viele Applikationen auf Java umzustellen. Die Migration geht dabei über Workspace on Demand, über das wir diese Java-Anwendungen auf dem Client zur Verfügung stellen.

Es ist kein Wunder, daß Microsoft so große Anstrengungen unternimmt, Java nicht wichtig werden zu lassen. Microsoft hat die Gefahr erkannt. Zustimmung würde jedoch das Wintel-Monopol aufs Spiel setzen.

c't: Darf man das so zusammenfassen, daß Sie im wesentlichen alles auf ein Pferd setzen? Ist das nicht eine sehr hohe Wette?

Seibt: Wenn Sie die Network Software Division der IBM nehmen, dann setzen wir sehr stark auf Java. Wenn Sie das jetzt erweitern und auch in andere Bereiche gehen, dann unterstützen wir in jedem Betriebssystembereich Java. Als IBM verbinden wir die traditionelle Client/Server- und Enterprise-Server-Welt mit den neuen Internet-Technologien. Hierbei spielt Java sicherlich eine entscheidende Rolle für die gesamte Industrie. Das Investment der IBM in Java ist größer als das jeder anderen Firma.

c't: Wir denken im Augenblick vor allen Dingen an die OS/2 Business Unit.

Seibt: Wenn die OS/2 Business Unit sehr stark auf Java setzt, dann ist das dann erfolgreich, wenn die ganze Company dahintersteht. Und Sie wissen aus vergangenen Zeiten, wie wichtig es ist, daß man eine integrierte Strategie hat, und deshalb erwähne ich das. Wir haben als OS/2 Business Unit mit dem Java-Fokus den Support der ganzen Company hinter uns, und das ist wichtig für unsere Kunden.

c't: Ein Blick zurück in die Vergangenheit: Was ist eigentlich Ende 94, Anfang 95 passiert? Sie haben mit einer furiosen Kampagne drei Monate lang für OS/2 getrommelt, und als sich die Erfolge einstellten, war plötzlich Schluß. Man erzählt sich, Sie seien aus den USA zurückgepfiffen worden.

Seibt: Nein, das ist nicht richtig. Wir hatten einen außerordentlichen Erfolg, den wir alleine nicht verteidigen konnten. Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie 10 Kilometer vor der Front stehen. Dort werden Sie in jedem Fall niedergemacht, wenn die anderen nicht den gleichen Erfolg haben wie Sie. Die Ressourcen des Konkurrenten sind einfach zu groß, als daß Sie diese Position erfolgreich verteidigen können. Also müssen Sie zurück und das verteidigen, was Sie erreicht haben.

Das hat uns auch gar nicht geschadet. Wir hatten durch diese Kampagne einen außerordentlichen wirtschaftlichen Erfolg, und wir konnten auch viele große Kunden überzeugen, die heute viel besser dastehen als diejenigen, die wir nicht gewinnen konnten. Das hilft heute diesen Kunden, den nächsten Technologieschritt zu machen, und der heißt Network Computing. Erstens sind sie schneller gewesen als andere, sie haben Wettbewerbsvorteile durch das OS/2-Investment realisiert, und jetzt werden wir zweitens gemeinsam die nächsten Wettbewerbsvorteile realisieren, auf der einen Seite durch Kostenreduzierung mit Workspace on Demand und auf der anderen Seite durch neue Java-basierende Technologien. Dort kann ich schneller Anwendungen entwickeln, die nicht nur auf einem Betriebssystem laufen, sondern auch auf allen neuen Devices, die auf den Markt kommen. Wir gehen mit den Kunden den nächsten Schritt, und der heißt Server Managed Clients plus Java. Und das ist interessant: Die Kunden sind begeistert. Wir haben hier eine außerordentlich hohe Zufriedenheit. Die OS/2-Kunden haben richtig investiert.

c't: Was ist heute anders als früher? Was gibt Ihnen die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein?

Seibt: Wir hatten früher zum Teil eine `me too´-Strategie. Wir hatten ein hervorragendes Betriebssystem. Mit Windows innerhalb von OS/2 waren wir ein `me too´ im Sinne von `das können wir mit OS/2 auch´. Wir hatten immer Technologievorsprung und `me too´ in einem Produkt.

In Zukunft haben wir ein Betriebssystem OS/2 - Betriebssysteme werden unwichtiger -, und wir haben mit Java eine Vision, die der proprietären Architektur von Microsoft komplett entgegensteht. Java ist eine Architektur, die Vorteile hat, weil sie flexibler ist, mehr umfaßt - ich meine jetzt: mehr an Devices. Choice ist das Wichtigste für den Kunden. Er möchte nicht angewiesen sein auf ein bestimmtes System.

c't: Herr Seibt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Richard Seibt ist seit Januar 1998 bei IBM weltweit für OS/2 zuständig.


Quelle: c't 06/98, S. 88  -  Copyright Verlag Heinz Heise. Zuletzt aktualisiert von Michael Kurzidim, 27.03.98

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