PC Professionell - Ausgabe 6/98 (Seite 56)

Angetestet: OS/2 Fixpak

OS/2 FixPac 5 und 6 sicher installieren

Von Alexander Hoff und Markus Urbanczyk

OS/2 Fixpacs korrigieren inzwischen nicht nur aufgetretenen Fehler, sie bringen auch neue Funktionalität. Neben manchem Goodie, wie die aktualisierten Grafiktreiber auf Basis des neuen GRADD-Treibermodells oder die ECU-Unterstützung, machen die Fixpacs OS/2 auch fit für spezielle Anforderungen. So ist beispielsweise beim Einsatz der Lotus Smart Suite (http://www.lotus.com/home.nsf/welcome/smartsuiteos2) oder der Win32 Converter (http://www.io.com/~timur/win32os2.html) zwingend eine aufgemotzte Open32 Library erforderlich. Nicht, daß OS/2 selbst die neue Version dieser Bibliothek benötigen würde, aber für Portierungen aus der 32 Bit Windows-Welt ist sie oftmals essentiell. Insgesamt sprechen also gute Gründe für das Einspielen eines Fixpacs. Dennoch: Die Installation eines Fixpacs ist ein relativ großer Eingriff in das System und sowohl der private Anwender als auch Administratoren tun gut daran, einige Dinge zu beachten.

Zwei Klassen Fixpacs

Die wohl wichtigste Information ist der Status des betreffenden Fixpacs. Er kann der globalen Übersichtsliste der IBM über die OS/2 Fixpacs (http://ps.boulder.ibm.com/pbin-usa-ps/getobj.pl?/pdocs-usa/softupd.html#over) entnommen werden. Big Blue unterscheidet hier zwischen "public" und "private". Fixpac 5 hat den Staus "public", Fixpac 6 hingegen ist nur ein "private" Fixpac. Der Unterschied ist wesentlich, denn als "public" bezeichnete Fehlerkorrekturen sind bei der IBM sehr umfangreichen Kompatibilitätstests unterzogen worden. Dementsprechend unproblematisch ist ihr Einsatz. Bei den Fixpacs mit dem Status "private" ist hingegen Vorsicht geboten. Sie neigen eher dazu, unerwünschte Nebeneffekte zu verursachen.

Online-Installation

OS/2 Fixpacs können auf zahlreiche verschiedene Arten installiert werden: Per Diskette, CD-ROM, LAN oder Internet. Die Installation über das Internet erfolgt mittels des RSU-Utilities (http://ps.boulder.ibm.com/pbin-usa-ps/getobj.pl?/pdocs-usa/softupd.html), daß als Helper- Applikation direkt mit dem Web-Browser zusammenarbeitet. RSU ist jedoch kein voll netzwerkfähiges Installationsprogramm a la Feature Installer (http://service.boulder.ibm.com/asd-bin/doc/de_de/fi12/f-feat.htm), sondern lediglich ein recht simples Utility, daß nur die notwendigen Dateien via FTP überträgt und anschließend ein Installationsprogramm aufruft. Alle hierzu notwendigen Hyperlinks befinden sich auf schon erwähnten generellen IBM OS/2 Fixpac-Seite (http://ps.boulder.ibm.com/pbin-usa-ps/getobj.pl?/pdocs-usa/softupd.html). Wer jedoch ein englisches Warp 4 System im Einsatz hat, sollte lieber auf der Web-Seite von Duane Chamblee (http://duanec.indelible-blue.com/fixes/LatestWarp4.html vorbeischauen. Duane hat dort nicht nur das Fixpak 6, sondern auch viele andere Updates (NetScape Navigator, Feature Installer, etc.) und Fixes (MTPS, TCP/IP, etc.) für eine Installation über RSU via Internet vorbereitet. Erfreulicherweise wurde bei der Zusammenstellung auch die Reihenfolge, in der die Fixes aufgespielt werden müssen, sorgfältig beachtet. Schon aus diesem Grund lohnt der Besuch auch für Anwender eines deutschen OS/2. Zwar sollten die englischen Fixes und Updates nicht auf ein deutsches OS/2 System losgelassen werden, aber das mühsame Sammeln der notwendigen Informationen, was wann und warum in welcher Reihenfolge installiert werden muß, bleibt dem Anwender erspart. Diese Informationen gelten nämlich auch für ein deutsches OS/2 Release.

Lokale Installation

Wer sein Fixpac nicht Online über das Internet einspielen möchte, wird wohl entweder zur CD greifen oder das entsprechende Archiv via FTP downloaden. Die CD-ROM kann direkt beim Technischen Support der IBM in Mainz (http://servicepac.mainz.ibm.de/internet/shop.htm ) bestellt werden. Das deutsche Fixpac 5 befindet sich hier auf der CD 05/98, das Fixpac 6 ist derzeit noch nicht auf CD verfügbar.

Für den Download via FTP stehen die Disketten-Images auf einem FTP Server der IBM zur Verfügung (ftp://service.boulder.ibm.com/ps/products/os2/fixes/v4warp/german/xrgm005/ bzw. tp://service.boulder.ibm.com/ps/products/os2/fixes/v4warp/german/xrgm006/ ). Zum Einspielen sind zusätzlich die sogenannten Kicker-Disketten erforderlich (ftp://service.boulder.ibm.com/ps/products/os2/fixes/wkickr/german/). Wem das Erstellen von rund einem Duzend Disketten zu aufwendig ist, der findet in Fastkick (ftp://hobbes.nmsu.edu/pub/os2/system/patches/fixpack/fastkick.zip , 324k) von Dmitry Niqiforoff die gesuchte Alternative. FastKick ist eine spezielle Zusammenstellung einiger Programme von den IBM Kicker-Disketten, die es erlaubt, ein als Disketten-Images vorliegendes Fixpac direkt von Festplatte einzuspielen. Dies kann übrigens ruhig im laufenden System passieren. Das Starten von Boot-Disketten ist zum Einspielen eines OS/2 Fixpacs nicht unbedingt erforderlich.

FixPac 5 auf dem neuesten Stand

Mit der Installation des Fixpac 5 ist man zwar auf der sicheren Seite, zwei Neuerungen, die bereits in das Fixpac 6 integriert wurden, bleiben aber außen vor. Je nach verwendeter Hardware und Bedeutung des Windows-Dateimanager sollte das Fixpac 5 gleich nach der Installation ein wenig upgedated werden. Besitzer einer Grafikkarte vom Typ ATI Rage II/Mach 64, Chips & Technology 6555X, Matrox Millenium & Mystique oder S3 864/TRIO (inkl. Elsa) werden die neuen, auf dem GRADD-Treibermodell basierenden Grafikkartentreiber installieren wollen (ftp://ftp.software.ibm.com/ps/products/os2/drivers/video/graddbb.zip). Die höhere Stabilität und die oftmals bessere Performance sprechen klar für die neuen Treiber. Darüber hinaus versprechen die ebenfalls enthaltenen neuen Generic VGA und SVGA Treiber eine Unterstützung für Grafikarten, die ohne eigenen OS/2 Treiber ausgeliefert werden, aber wenigstens VESA kompatibel sind.

Das zweite Update bezieht sich auf WinOS/2-Unterstützung. Eine neue EXE-Datei (ftp://ftp.software.ibm.com/ps/products/os2/fixes/v4warp/english-us/xr_m006/winfile.exe) sorgt beim Windows-Dateimanager für die Jahr-2000 Kompatibilität.

Probleme mit dem Fixpac 5

Bisher ist im Grunde erst ein wirkliches Problem mit dem FixPac 5 aufgetreten. Auf einigen Systemen zeigt die Maus nach der Installation ein eigentümliches Verhalten: Sie reagiert nur mit Verzögerung und der Mauszeiger bewegt sich spürbar langsamer. Die Korrektur ist einfach:
  1. Zunächst wird über den Befehl "rename x:/os2/boot/mouse.sys mouse.fp5" der Maustreiber aus dem Fixpac 5 umbenannt ( "x" kennzeichnet hierbei das Startlaufwerk von OS/2 )
  2. Anschließend wird die Datei "mouse.sy_" im Archiv-Verzeichnis des Fixpacs (normalerweise x:\ARCHIVE) über den Befehl "unpack x:\ARCHIVE\mouse.sy_ x:\OS2\BOOT" extrahiert
  3. Zum Schluß wird nur noch ein Systemabschluß durchführt und das System neu gestartet.
 

Probleme mit dem Fixpac 6

Derzeit kristallisieren sich drei Hauptprobleme beim Einspielen des Fixpac 6 heraus. Zunächst wurde der Bug im Maustreiber nicht wie ursprünglich angekündigt behoben. Des weiteren treten auf einigen PCs Schwierigkeiten mit dem Tastatur-Treiber auf. Der Tastatur-Buffer scheint sich zeitweise selbständig zu füllen und läuft über. Nach dem akustischen Signal des Überlaufs ist der Neustart von OS/2 unumgänglich. Ähnlich wie bei den Schwierigkeiten mit dem Maustreiber wird auch dieses Problem durch das Ersetzten der betreffenden Dateien gegen die Versionen aus dem Archiv gelöst:
  1. Die Dateien \OS2\keyboard.dcp und \OS2\BOOT\ibmkbd.sys werden über "rename x:\OS2\keyboard.dcp keyboard.fp6" und "rename x:\OS2\BOOT\ibmkbd.sys ibmkbd.fp6" umbenannt (X kennzeichnet hierbei wieder das Startlaufwerk von OS/2)
  2. Die Dateien "keyboard.dc_" und "ibmkbd.sy_" aus Archiv-Verzeichnis des Fixpaks (normalerweise \ARCHIVE) werden über "unpack x:\ARCHIVE\keyboard.dc_ x:\OS2" und "unpack x:\ARCHIVE\ibmkbd.sy_ x:\OS2\BOOT"
  3. Zum Schluß wird das System neu gestartet
Die dritte Schwierigkeit betrifft die Datei "doscall1.dll". Einige Anwendungen, wie Deskman/2 oder OS2POPS, lösen einen SYS-Fehler in dieser DLL aus, der zum Absturz des betreffenden Programmes führt. Abhilfe schafft die neue Version der doscall1.dll-Datei (ftp://service.boulder.ibm.com/ps/products/os2/fixes/v4warp/english-us/xr_m006/doscall1.dll).

FixPac deinstallieren

Sollte beim Aufspielen eines Fixpacs einmal der worst-case eingetreten sein und das System nicht mehr hochfahren, ist dies kein Beinbruch. Selbstverständlich kann die Installation rückgängig gemacht werden. Allerdings ist dafür ein wenig Handarbeit notwendig. Zunächst muß ein OS/2 System von Boot-Disketten aus gestartet werden. Auf der Kommandozeile werden anschließen die folgenden Schritte durchgeführt:
  1. Sicherheitshalber sollte ein chkdsk auf dem eigentlichen OS/2 Startlaufwerk ausgeführt werden. Hierzu wird die OS/2 CD-ROM eingelegt und in das Verzeichnis /os2image/disk_2 gewechselt. Über den Befehl "chkdsk x: /F:2" wird dort das chkdsk Programm von OS/2 aufgerufen (wie gewohnt, kennzeichnet "x" das Startlaufwerk von OS/2)
  2. Nachdem erfolgreichem chdsk wechselt man in das Hauptverzeichnis des Startlaufwerkes und legt dort mit einem ASCII Editor (bsp. TEdit) eine Textdatei eine eigene Response-Datei, beispielsweise mit dem Namen "csf_back.cfg", an. Die Datei sollte den folgenden Inhalt haben:
  3. (Auch hier muß das "x" wieder gegen den Laufwerksbuchstaben des Startlaufwerks von OS/2 ersetzt werden.)
    Bei dieser Konfigurationsdatei wird davon ausgegangen, daß die Standard-Einstellung (beispielsweise x:\ARCHIVE als Sicherungsverzeichnis) beim Aufspielen des Fixpacs 5 oder 6 nicht geändert wurde.
     
  4. Zum Schluß wird nur noch das Programm fservice.exe, daß sich auf den Fixpac CD ROM bzw. den Kicker-Disketten (ftp://service.boulder.ibm.com/ps/products/os2/fixes/wkickr/german/) befindet, wie folgt aufgerufen:
  5. fservice.exe /R:x:\csf_back.cfg

Daraufhin wird die normale Fixpac Installationsroutine aufgerufen. Diesmal jedoch mit Auftrag, die zuvor erfolgte Installation rückgängig zu machen.
 

Quelle: PC Professionell - Ausgabe 6/98 (Seite 56)


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